1000 Jahre bis Weihnachten

Ein schwedischer Weihnachtskalender für die ganze Familie!

Im schwedischen Fernsehen gibt es einen Weihnachtskalender mit 24 täglich ausgestrahlten Folgen bis Heiligabend.

Das Thema: 1000 Jahre Weihnachten. Jeden Tag gibt es eine Episode aus einer früheren Zeit, angefangen im Jahre 1015 in der Wikingerzeit bis heute. Im Mittelpunkt steht immer eine epochen-typische Familie. Das ganze ist recht aufwändig gemacht, mit Kostümen und einem zeitgenössischen Essen usw. Natürlich darf da auch der „Erklärer“, die Stimme aus dem Off, nicht fehlen. Das ist aber nie aufdringlich oder langweilig.

Gesprochen wird natürlich schwedisch, aber ich denke man kann der Handlung trotzdem folgen.

Warum schreibe ich darüber? Ganz einfach: die Folgen sind saukomisch. Der Mann kommt von der dreieinhalb jährigen Plünderfahrt heim und begrüßt seine Frau mit dem Satz: „Entschuldigung, alte Frau, weißt du wo ich Lotta und ihre kleinen Kinder finde?“

Apropos Kinder: Es sind immer Kinder mit dabei, und die genießen die ganze Sache so richtig. Die Erwachsenen sind jederzeit „in character“, also fallen nie aus der Rolle, während die Kids wie Zeitreisende gelegentlich Richtung Kamera darüber reflektieren, wie sie über das Leben, das Essen, usw. denken. Die Größeren beginnen das mit dem Satz „Videologbuch, erstes Experiment“. Irgendwo in der Zukunft wischt sich Jean-Luc Picard eine Träne der Rührung aus dem Auge. Wenn es zum Essen einen ganzen weich gekochten Schafkopf gibt, wird der neugierig probiert und für ziemlich lecker befunden. Nur die Molke kam nicht so gut an. Das vernichtende Urteil des Großen: „Det småkar inte så mycket“- „Das schmeckt nicht so gut“ – während die Kleinen im Hintergrund noch Würg- und Kotzgeräusche machen. Wenn ein Schwede sagt „Das ist nicht so gut“, ist das so, als wenn ein Deutscher sagt: „Das ist der abartigste Scheiß, den ich je gegessen habe“.

Aber eine schießt den Vogel ab: die kleine Cleo.

Gerade mal drei Lenze alt, kann man ihr Schauspiel nur als furios bezeichnen. Sie genießt jede Sekunde, nagt begeistert am Schafkiefer, freut sich in Folge 2 am Tierblut-Opfer und erklärt ihrem von der Beutefahrt zurückgekehrten Vater, wieso sie drei Jahre alt sein kann, wenn er doch dreieinhalb Jahre weg war. Nix verdirbt ihr die gute Laune, und doch sie schafft es, beim winterlichen Gruppenbild die gefühlte Temperatur um 15 Grad zu senken (Achtung, nur ein Bild, kein Video):

1000JahreWeihnachten

Cleo (im Bild unten links)

Seht euch diesen Gesichtsausdruck an. Alle anderen machen ein normales Fotogesicht. Cleo schaut so, wie ein Wikinger schaut, wenn sich vor tausend Jahren in einem kalten harten Winter ein Zeitreisender vor seiner Hütte wiederfindet.

Cleo

„Meine Familie hungert. Du hättest nicht herkommen sollen, Pechvogel.“

Ob mit Schwedisch oder ohne, schaut mal rein. Hier geht’s zur Übersicht. Und merkt euch den Namen Cleo. In ein paar Jahren könnt ihr die schweigsamen harten Typen aus den Schweden-Thrillern alle vergessen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s